24.3.09 um 20 Uhr Lesung und Moderation: Shalom Auslander -"Eine Vorhaut klagt an"

"Ich glaube an Gott. Das ist mein Problem." Shalom Auslanders Jugend ist geprägt von einem schrecklichen Respekt vor Gott. Aufgewachsen in einem vollkommen abgeschotteten jüdisch-orthodoxen Umfeld in New York, hatte er sich den göttlichen Gesetzen und Traditionen seines Vaters und der Rabbis unterzuordnen, seit er denken kann. Über allen und allem thronte dieser Gott, der ihn nicht verstand und der sein Leben zur Hölle auf Erden machte. Shalom Auslander erinnert sich, wie er jeden Tag dagegen ankämpfen musste, sich vor Gott zu rechtfertigen, und warum er bis heute Gottes Zorn fürchtet wie den Tod: In der Schule wurde ihm vorgeschrieben, was er essen durfte und was nicht - und in welcher Kombination. Dafür musste er eine siebzigseitige Liste mit Hunderten von verschiedenen Speisen auswendig lernen. Später wurde er beim Klauen von Jeans erwischt und dafür ins Exil nach Israel geschickt, wo er auf einer orthodoxen Schule durch intensives Studieren der Tora und des Talmud richtiges Benehmen erlernen sollte.
Beeindruckt bespricht Georg Diez dieses Buch in der "Zeit" als "rabiaten biografischen Aufschrei" in der Tradition der "jüdisch-abendländischen Wutschule". Die Handlung ist im New York der siebziger Jahre im Milieu des orthodoxen Judentums angesiedelt und erzählt die Geschichte eines Jungen, der sich "Satz für Satz" von dieser Herkunft via Fastfood und Pornografie verabschiedet. Und zwar in einem recht schonungslosen Akt der Selbstentblößung und Selbstfindung, vor deren Konsequenz und Klarheit Diez tief seinen Hut zieht. Aufregend macht das Buch neben dem existenziellen Furor, mit dem sich Shalom Auslander darin jenem Dämon gestellt hat, "der Gott heißt", vor allem das "atemlose Stakkato" der Sprache, in dem es geschrieben ist.
"Eine Vorhaut klagt an" wurde von der NEW YoRK TIMES zu einem der besten 50 Bücher des Jahres 2007 gewählt.

Den Abend moderiert die Journalistin und Sprecherin Stella Jürgensen, die auch Auszüge aus dem Roman
lesen wird.

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